Wie benutzt du dieses Tool?
- Denk an enge Beziehungen, vor allem an Partnerschaften. Wenn du gerade keine hast, denk daran, wie es dir darin meistens ging.
- Bewerte 24 Aussagen auf einer Skala von 1 bis 5. Die Reihenfolge ist gemischt.
- Sieh dir deinen Punkt auf der Karte an, dazu die beiden Achsenwerte und die Beschreibung des Bereichs, in dem sie liegen.
- Kopiere bei Bedarf den Link für die Person, mit der du zusammen bist. Sie macht den Test selbst, sieht danach beide Punkte auf einer Karte und kann dir den Vergleich per Link zurückschicken.
Was bedeuten Bindungsangst und Bindungsvermeidung?
Die Bindungstheorie beschreibt, wie Menschen enge emotionale Bindungen eingehen. Hazan und Shaver übertrugen sie 1987 auf Liebesbeziehungen zwischen Erwachsenen und unterschieden drei Stile. 1998 werteten Brennan, Clark und Shaver die damals gebräuchlichen Fragebögen gemeinsam aus und fanden darin zwei Grunddimensionen, die bis heute die meisten Messungen prägen.
Bindungsangst ist die Sorge, zurückgewiesen oder verlassen zu werden. Ist sie hoch, wird aus einer ausbleibenden Antwort schnell die Frage, was man falsch gemacht hat, und man sucht Bestätigung. Bindungsvermeidung ist das Unbehagen mit Nähe und damit, auf jemanden angewiesen zu sein. Ist sie hoch, löst man Probleme lieber allein und fühlt sich eingeengt, wenn jemand sehr viel Zeit mit einem verbringen möchte. Beide Achsen können hoch oder niedrig sein, jede Kombination kommt vor.
Welche vier Bereiche zeigt die Karte?
Aus der Lage auf beiden Achsen ergeben sich vier Bereiche. Die Einteilung in vier Felder geht auf ein Modell von Bartholomew und Horowitz aus dem Jahr 1991 zurück.
| Bereich | Bindungsangst | Bindungsvermeidung | Was die Antworten oft beschreiben |
|---|---|---|---|
| Sicher | niedrig | niedrig | Nähe fühlt sich entspannt an, um Hilfe zu bitten fällt leicht |
| Ängstlich | hoch | niedrig | Starker Wunsch nach Nähe, schnelle Sorge, wenn sich etwas verändert |
| Vermeidend | niedrig | hoch | Unabhängigkeit zählt viel, bei zu viel Nähe kommt der Drang nach Abstand |
| Ängstlich-vermeidend (auch „desorganisiert“ genannt) | hoch | hoch | Nähe ist erwünscht und unangenehm zugleich |
Den vierten Bereich nennen viele Tests desorganisiert. Hier heißt er ängstlich-vermeidend, weil das beschreibt, was die Werte zeigen: hohe Angst und hohe Vermeidung.
Keiner der Bereiche heißt, dass mit dir etwas nicht stimmt. Jedes Muster ist eine Art, mit der Frage umzugehen, wie verlässlich Nähe ist. Jedes hilft in manchen Situationen und steht in anderen im Weg. Das Ergebnis beschreibt deshalb für deinen Bereich, was oft gut gelingt, was in Konflikten passieren kann, was dir helfen kann und was deinem Gegenüber hilft.
Wie funktioniert der Bindungsstil-Test?
Der Test besteht aus 24 eigenen Aussagen, zwölf für jede Achse. Sie stammen nicht aus Forschungsfragebögen, orientieren sich aber am zweidimensionalen Modell der Bindungsforschung. Vor der ersten Aussage steht die Bitte, an enge Beziehungen zu denken, vor allem an Partnerschaften. Wer gerade Single ist, denkt daran, wie es in früheren Beziehungen meistens war. Die Reihenfolge ist gemischt, und vier Aussagen je Achse sind umgekehrt formuliert, etwa „Um Unterstützung zu bitten, fällt mir in einer Beziehung leicht.“ Zustimmung zählt dort in die Gegenrichtung.
Aus deinen Antworten auf der Skala von 1 bis 5 bildet der Test für jede Achse einen Mittelwert und rechnet ihn auf 0 bis 100 um. Ab 50 gilt eine Achse als hoch. Beide Werte zusammen setzen den Punkt auf die Karte, und die Überschrift lautet dann zum Beispiel: Deine Antworten liegen im Bereich Vermeidend. Liegt ein Wert höchstens zehn Punkte von der Mitte entfernt, steht zusätzlich da, dass auch die Beschreibung des Nachbarbereichs passen kann.
Die Grenze bei 50 ist eine Orientierung, keine Messnorm. Für eigene Aussagen gibt es keine Vergleichswerte aus einer Stichprobe, und die Forschung spricht ohnehin gegen harte Typen. Unter der Karte stehen beide Werte als Zahl und als Balken, dazu die Beschreibung deines Bereichs. Das Ergebnis lässt sich als Text kopieren, etwa für eigene Notizen.
Wie funktioniert die Paar-Karte per Link?
Nach dem Ergebnis kannst du einen Link für die Person kopieren, mit der du
zusammen bist. Er enthält nur deine beiden Werte, zum Beispiel #p=1.75-25 für
75 bei der Bindungsangst und 25 bei der Bindungsvermeidung. Antworten und Namen
stehen nicht darin. Der Link verrät also nicht, was du bei der Aussage über
ausbleibende Nachrichten angekreuzt hast.
Die andere Person öffnet den Link und macht den Test selbst, ohne deine Werte vorher zu sehen. Danach stehen beide Punkte auf einer Karte, ihr eigener als gefüllter Kreis und deiner als Ring. Anschließend kann sie dir einen zweiten Link schicken, der den Vergleich zurückbringt. Er enthält die Werte von euch beiden. Öffnest du ihn, siehst du beide Punkte sofort, ohne den Test noch einmal zu machen.
Zum Vergleich gehören kurze Hinweise zu Mustern, die bei eurer Kombination auftreten können. Hat eine Person hohe Angstwerte und die andere hohe Vermeidungswerte, geht es zum Beispiel um den Kreislauf, in dem die eine Nähe sucht und die andere sich zurückzieht. Das sind Tendenzen. Wie eure Beziehung verläuft, sagt der Vergleich nicht voraus. Eine App oder ein Konto braucht niemand von euch beiden.
In beiden Links stehen die Werte hinter dem Rautezeichen. Diesen Teil einer Adresse, das Fragment, trennt der Browser vor dem Abruf ab und schickt ihn nicht an den Server (RFC 3986, Abschnitt 3.5). Bei kittokit kommen die Werte also nie an. Die Seite liest sie im Browser aus und entfernt sie danach aus der Adresszeile. Trotzdem gilt: Wer einen der Links hat, sieht die Werte darin, und im Chatverlauf bleiben die Links stehen wie jede andere Nachricht.
Was sagt die Forschung über Bindungsstile bei Erwachsenen?
Ob Erwachsene wirklich in getrennte Gruppen fallen, haben Fraley und Waller 1998 mit taxometrischen Verfahren an 639 jungen Erwachsenen untersucht. Eine spätere Arbeit von Fraley, Hudson, Heffernan und Segal (2015) kam mit zwei Stichproben zu dem Schluss, dass die Unterschiede eher zu einem dimensionalen als zu einem kategorialen Modell passen, für Bindung allgemein wie für einzelne Beziehungen. Fraley rät in seinen Hinweisen zu einem verbreiteten Forschungsfragebogen ausdrücklich davon ab, Menschen anhand ihrer Werte in Typen einzuteilen. Darum zeigt dieser Test einen Punkt mit weichen Grenzen.
Fraley, Vicary, Brumbaugh und Roisman (2011) haben 203 Menschen 30 Tage lang täglich und 388 Menschen ein Jahr lang wöchentlich befragt. Die Verläufe passten am besten zu einem Modell mit stabilem Kern, um den die Werte zeitweise schwanken. Ein Ergebnis von heute kann in ein paar Wochen etwas anders ausfallen, ohne dass sich an der Grundtendenz viel ändert.
Bindung hängt auch an der Beziehung. Nach Fraleys Überblick zur Bindungsforschung liegt der Zusammenhang zwischen der Sicherheit bei einem Elternteil und der in einer Partnerschaft nur bei etwa 0,20 bis 0,50, also schwach bis mittel. Gery Karantzas, Leiter des Science of Adult Relationships Laboratory an der Deakin University, sagte 2024 gegenüber ABC News, man könne sich in der Partnerschaft sicher fühlen und in manchen Freundschaften ängstlicher sein, oder umgekehrt. Dieser Test fragt nach Partnerschaften. Mit Familie oder Freunden kann dein Punkt woanders liegen.
Sicherheit kann sich auch später entwickeln. Eine Langzeitstudie von Roisman, Padrón, Sroufe und Egeland (2002) begleitete Menschen über 23 Jahre. Sie beschreibt Erwachsene, die schwierige Erfahrungen aus ihrer Kindheit zusammenhängend erzählen konnten und als junge Erwachsene gelingende enge Beziehungen führten. Ob bei dir eine solche Entwicklung stattgefunden hat, kann ein Fragebogen mit 24 Aussagen nicht erkennen.
Wo liegen die Grenzen dieses Tests?
Der Test ist eine Reflexionshilfe, keine Diagnose, und er ist für Erwachsene geschrieben. Die Aussagen wurden nicht in einer eigenen Studie geprüft, deshalb gibt es keine Normwerte und keine Prozentränge. Kindheitserfahrungen und Selbstwert fragt er nicht ab.
Antworten hängen von der Lage ab, in der man sie gibt. Wer gerade in einer angespannten Beziehung steckt, kreuzt anders an als in einer ruhigen Zeit. Ein zweiter Durchlauf kann deshalb abweichen, und ein Punkt nah an einer Grenze sagt wenig darüber, auf welche Seite du eher gehörst.
Als Gesprächsanlass taugt das Ergebnis gut, mit dir selbst oder mit der Person, mit der du zusammen bist. Als Urteil über dich oder andere taugt es nicht, erst recht nicht über Menschen, die den Test nie gemacht haben.
Wo finde ich Hilfe, wenn mich Beziehungsthemen belasten?
Wenn dich Beziehungsthemen stark belasten, können eine Beratungsstelle oder eine Psychotherapie helfen. Dort ist Platz für die Fragen, die ein Fragebogen nur antippt. In einer akuten Krise erreichst du in Deutschland die TelefonSeelsorge kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. In anderen Ländern wende dich an den örtlichen Notruf.
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